Historie // 60 Jahre Eigenheimerverband Deutschland e.V.





Festakt in Berlin mit zahlreichen Gästen und Vertretern aus Politik und Wirtschaft

München, 19.10.2015 Am Donnerstag, 15.10.2015 konnte der Bundesverband der Eigenheimer in Deutschland im Bausparhaus in Berlin sein 60-jähriges Bestehen mit einem Festakt feiern.

Heinrich Rösl, Präsident des Bundesverbandes, begrüßte zunächst die anwesenden Gäste und stellte anschließend in seiner Rede die Aufgaben des Bundesverbandes vor. Er ging auf die Baulandverknappung ein, darauf, dass Baustandards derzeit so hoch seien, dass sie Bauen eher verhinderten als förderten und dass steuerliche Anreize für Bauherren so gut wie nicht vorhanden seien. „Es fehlen seit Jahren attraktive steuerliche Anreize sowohl für Menschen und Firmen, die Wohnraum zum Vermieten bauen wollen als auch für Selbstnutzer. Obwohl die Belastungen des Bauens in den letzten 20 Jahren enorm zugenommen haben, wurde die Förderung immer weiter zurückgeschraubt“, so der Präsident des Eigenheimerverbandes. So sei es nicht verwunderlich, dass immer weniger Wohnraum zur Verfügung stehe, denn es werde – ob der wenigen Anreize – einfach zu wenig gebaut. Dazu Rösl: „Das rächt sich nun alles massiv – wir haben einfach zu wenig Wohnungen. Das wird jetzt endlich ehrlich und deutlich ausgesprochen, auch im Zuge der unterzubringenden Flüchtlinge, die wir nicht als unsere Gegner auf dem Wohnungsmarkt sehen, sondern eher als Beförderer längst überfälliger Erkenntnisse“. Mietbegrenzungsgesetze würden hier nicht helfen – „es hilft nur Bauen, Bauen und abermals Bauen. Erst wenn in den Städten mehr Wohnraum da ist als benötigt, dann werden sich die Wahnsinnspreise von Mieten verändern und sich die Wohnsituation entspannen“, so Heinrich Rösl am Ende seiner Begrüßungsansprache.

Er übergab das Wort an Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär in der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt. Auch diesen hält das Thema „Wohnen und Bauen“ auf Trab, denn Berlin wächst seit Jahren kontinuierlich und 2030 werden 400.000 mehr Menschen in Berlin leben als noch 2011 – „und hier sind die Flüchtlinge noch gar nicht mit eingerechnet“, so Lütke Daldrup. Berlin sei der „place to be“ und somit das Thema Bauen eine große Herausforderung. „Das Wohnen ist existenziell für jeden Menschen. Ein ausreichendes Wohnungsangebot und die Befriedung der Wohnungsbedürfnisse in unserem Land ist daher eine Hauptaufgabe der staatlichen Wohnungspolitik“, so der Staatssekretär und weiter „eine wirkungsvolle Wohnungspolitik braucht starke Akteure, den Eigenheimerverband Deutschland genauso wie die Politik, kommunale Wohnungsunternehmen oder Genossenschaften“. Die Politik reagiere auf die zunehmende Wohnungsknappheit durch die Mietpreisbremse und durch Maßnahmen zur Beschleunigung von baurechtlichen Verfahren. Außerdem sei im letzten Jahr die Förderung des Mietwohnungsbaus wieder aufgenommen worden – nach über einem Jahrzehnt Abstinenz. Das seien in einer Mieterstadt wie Berlin, in der fast 85 % der Menschen zur Miete wohnten, wichtige und richtige Reaktionen auf die aktuellen Entwicklungen. „Es zeigt sich aber derzeit, dass in Zeiten von Wohnungsknappheit die Bildung von Wohneigentum wieder in den Fokus der Überlegungen vieler Hauhalte rückt. Und hier hat Berlin noch erhebliches Potential – dies betrifft insbesondere die Stadteigentumswohnung aber auch das Stadthaus in der Innenstadt und in Stadtrandlagen“, so Engelbert Lütke Daldrup.

Anke Brummer-Kohler, Abteilungsleiterin aus dem Bundesministerium für Bauen, Umwelt und Reaktorsicherheit, wurde im Anschluß von Heinrich Rösl als Vertretung von Staatssekretär Florian Pronold sehr herzlich begrüßt. Sie ging in ihrer Festrede ebenfalls auf das Thema bezahlbares Wohnen und Bauen ein und stellte die derzeitige Wohnsituation auch in Hinblick auf die Flüchtlingsströme vor. Hier müssten Lösungen durch ein Bündnis von verschiedenen Gremien schnell und unkompliziert gefunden werden. Dieses Bündnis entwickle im Augenblick einen Maßnahmenkatalog mit Vorschlägen für Bund, Länder und Gemeinden. „Wohnen muss bezahlbar sein; Regularien, die Wohnungsbau schwierig und teuer machen, müssen abgeschafft und Regularien für mehr Wohnraum müssen geschaffen werden. Ebenso müssen Haushalte entlastet werden – die Bundesregierung hat hier die Mietpreisbremse aufgeführt, eine Reform des Wohngeldes sowie die Erhöhung des Wohngeldes zum 1.1.2016“, so die Abteilungsleiterin. Außerdem erklärte Brummer-Kohler nochmals explizit, dass es von Seiten der Bundesregierung keine Zwangsmaßnahmen zur Einquartierung von Flüchtlingen geben werde; dennoch müssten Engpässe beim Wohnraum vermieden werden um so die Willkommenskultur weiter leben zu können. „
Der Wandel soll sozial-gerecht ablaufen und Bund, Länder und Gemeinden arbeiten bereits auf diesem Gebiet effektiv und gut zusammen“, so Abteilungsleiterin Brummer-Kohler. Einen hohen Stellenwert habe das selbstgenutzte Wohneigentum auch bei der Bundesregierung, denn die Eigentümer seien hoch verantwortungsbewusst ihre Immobilie betreffend, der Nachbarschaft und des Stadtteils gegenüber. Selbstgenutzter Wohnraum sei auch für die Integration aller Personengruppen sehr wichtig und deshalb unterstütze die Bundesregierung hier mit Ausweisung von Neuflächen, Mittel für familiengerechtes und energetisches Umbauen und vielem mehr.

Zum Abschluss des Festaktes ergriff Frank Behrend, Vizepräsident des Bundesverbandes der Eigenheimer und „Berliner Gastgeber“ das Wort. Er sprach ebenfalls das Thema familiengerechtes Wohnen an und dass dieses Thema ein Generationenthema sei und bleiben werde. Die Energiewende müsse mit Augenmaß durchgeführt werden und dürfe nicht an andere Maßnahmen gekoppelt sein. Zum Thema Wohnraum sagte er: „Die Baukosten steigen immer weiter durch immer mehr Anforderungen, Auflagen, Abgaben und Steuern. Hier müssen wir konsequent eine Reform umsetzen, die Bauen und Wohnen attraktiv macht und die Menschen – auch monetär – animiert, sich Wohneigentum anzuschaffen“. Dabei spiele auch die Grundsteuerreform, die Grunderwerbssteuer und die Erbschaftssteuer-Diskussion eine Rolle. Und weiter: „Wir brauchen eine wie auch immer geartete Wohnungsbauförderung in Deutschland“. Am Ende seiner Ausführungen bedankte er sich bei allen anwesenden Gästen und lud zu einem kulinarischen Ausklang ein.