Wohungspolitik // Haus und Ökologie





Haus und Ökologie

 
Von den Bundesbürgern wird keine Wohnform so geschätzt wie das Wohnen im Grünen mit Haus und Garten.

Ein eigenes Haus, ein Garten und ein gesicherter Lebensraum ist der Wunsch vieler, vor allem junger Familien. Gerade für Kinder ist es für ihre Entwicklung von großer Bedeutung, dass sie sich in einer geschützten Umgebung geborgen fühlen und sich so positiv entwickeln können.

Die Hausform ist ein vorrangiges Merkmal zur Bestimmung familiengerechten Wohnens. Die Verfügbarkeit von Haus und Garten, auch wenn die Grundstücke und Häuser noch so klein sind, ist ein herausragendes Kriterium für notwendige Veränderungen. Nur wer über beides verfügen kann, ist zu einer selbstbestimmten Anpassung der baulichen Gestalt, der Ausstattung und der Nutzung an die sich ständig im Lebenslauf und Familienzyklus wandelnden Anforderungen in der Lage. In Mietwohnungen ist dies nur in sehr unzureichender Weise möglich, zumal die Verpflichtung zur Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes in der Regel vielen Initiativen von vorn herein keinen Spielraum gibt.

Daneben lassen sich eine ganze Reihe nüchtern kalkulierbarer Vorteile für das Wohnen in den eigenen vier Wänden aufführen: Der Besitzer eines Hauses zahlt die Miete quasi in die eigene Tasche. Er ist vor Mieterhöhungen geschützt und vor Kündigungen sicher. Das Wohneigentum ist ein Vermögenspolster, auf das im Notfall zurückgegriffen werden kann. Man muss keine Inflation fürchten. Mietfreies Wohnen im eigenen Haus ist zugleich die beste Altersvorsorge.

Sind erst einmal die finanziellen Hürden genommen, die ein Hausbau mit sich bringt, geht es auf die Suche nach einem geeigneten Baugrundstück. Meist ist die Auswahl nicht groß, trotzdem sollten einige wichtige Kriterien erfüllt sein. So sollte das Haus nicht nur nach den aktuellen Wohnbedürfnissen errichtet werden. Es muss auch späteren Änderungen der Bedürfnisse, insbesondere der älteren Generation oder Behinderten, Rechnung getragen werden. Soweit bauliche Änderungen erforderlich werden, sollten diese ohne größere Eingriffe in die eigentliche Bausubstanz möglich sein.

Die Infrastruktur, insbesondere Kindergarten, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten sind wichtige Voraussetzungen für die Qualität des Wohnens im eigenen Haus, das in der Regel auf ein ganzes Leben ausgerichtet ist. Wünschenswert wäre natürlich, wenn möglichst mehrere Generationen in dem Haus Platz finden könnten. Dies würde nicht nur die Erziehung oder Beaufsichtigung der Kinder erleichtern, sondern auch für die Betreuung oder Pflege der älteren Generation hilfreich sein. Bereits bei der Gebäudeplanung sollte einem späteren behindertengerechten Wohnen Rechnung getragen werden.

Trotz aller Wünsche und Träume, die beim Bau des eigenen Hauses bestehen, muss aber auch der Natur- und Umweltschutz Beachtung finden. Mit dem Bau des Hauses prägen wir unsere Umwelt. Nichts formt die Natur und Landschaft dauerhafter als die menschliche Bautätigkeit. Bereits bei der Bauplanung werden die Weichen dafür gestellt, in welchem Umfang von der späteren Nutzung des Hauses die Umwelt betroffen oder belastet wird. Zielsetzung muss sein, die Umweltbelastung, die von einem Haus durch Abgase, Abwasser und Abfälle ausgeht, so gering wie möglich zu halten.

Umweltfreundliches und ökologisches sowie energiesparendes Bauen ist ein wichtiges Kriterium beim Bau des eigenen Hauses. Auf die Verwendung natürlicher und biologischer Baustoffe muss hier ebenso geachtet werden wie auf eine energiesparende Bauausführung. Auch die Nutzung natürlicher und umweltschonender Energiequellen wie Sonnenenergie oder Erdwärme gehören zu den Überlegungen eines umweltfreundlichen und ökologischen Bauens.

Die Beachtung dieser Kriterien schafft für die Familie gesunden Wohnraum und hilft mit, unsere Natur und Umwelt zu schonen. Damit wird auch ein Beitrag geleistet, für spätere Generationen eine lebens- und wohnenswerte Umwelt zu erhalten.

Nach dem Hausbau oder auch bei der Neuanlage des Gartens wird der Eigentümer seine „grüne Umwelt“ nach eigenen Wünschen und Ideen gestalten und sich auch ein Stück selbst verwirklichen. Der Garten prägt die Lebensqualität der Familie im Wohnumfeld, dient der Entspannung und Erholung, bietet den Kindern einen geschützten Spiel- und Erlebnisraum und bringt ein Stück Natur in greifbare Nähe. Dabei sollte aber beachtet werden, dass auch die Hausgärten möglichst im Einklang mit der Natur und Umwelt geplant, gestaltet und bewirtschaftet werden.

Natur- und Umweltschutz fängt dabei bereits bei der Aufstellung der Bebauungspläne an. Statt einer geordneten Zuführung des Oberflächen- und Regenwassers in die Kanalisation sollte hier soweit als möglich eine Versickerung auf dem Grundstück angestrebt werden. Regenwasserversickerungsflächen im Garten und wenig versiegelte Flächen auf dem Grundstück verhindern nicht nur ein schnelles Anschwellen der Vorfluter und Flüsse, sondern fördern auch die Stabilisierung des Grundwasserspiegels. Trinkwasser ist eine lebensnotwendige Ressource, die immer kostbarer wird. Des-halb darf Wasser im Garten nicht verschwendet werden. Bereits bei der Planung des Hauses ist darauf zu achten, Regenwasser in geeigneter Form (Tanks, Zisternen und ähnlichem) zu sammeln, um es zumindest für die Gartenbewässerung und soweit möglich, auch als Brauchwasser nutzen zu können.

Bei der Anlage von Wegen und Plätzen sollte, soweit es die Funktionalität erlaubt, auf eine Versiegelung verzichtet und eine wasserdurchlässige Ausführung gewählt werden. Auch der Gartenboden selbst sollte in einen Zustand versetzt oder gehalten werden, der möglichst viel Niederschlagswasser aufnimmt. Durch Pflanzenbewuchs oder Mulch bedeckter Gartenboden wird vor dem Austrocknen und Verhärten bei starker Sonneneinstrahlung und Wind geschützt. Er bleibt so länger feucht, aber auch aufnahmefähiger für stärkere Niederschläge. Freie Bodenflächen können durch häufiges Hacken und Lockern offen und wasseraufnahmefähig gehalten werden. Die Gestaltung von Höhenunterschieden mittels Trockenmauern bietet sowohl Pflanzen als auch gefährdeten Tieren Schutz und einen geeigneten Lebensraum im Garten.

Zu einer natur- und umweltgerechten Anlage und Bewirtschaftung eines Gartens gehört auch die Förderung und Erhaltung der Artenvielfalt im Garten. Ein weiterer Mosaikstein im bunten Bild eines naturgemäßen Gartens ist eine überlegte Sortenwahl. Pflanzen, die nicht an den ihnen zugedachten Standort passen, werden immer ein unbefriedigendes Wachstum, mäßige Erträge, verbunden mit schlechter Qualität, und vor allem eine durch verringerte Vitalität erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten und Schadorganismen zeigen. Für Obstbäume, Beerensträucher und Gemüse haben die Pflanzenzüchter in den letzten Jahren zahlreiche resistente oder hochtolerante Obst-, Gemüse- und auch Zierpflanzensorten auf den Markt gebracht, die viele Pflanzenschutzmaßnahmen entbehrlich machen.

Durch die Kompostierung der Gemüse- und Grünabfälle in einer geeigneten Kompostierungseinrichtung und das Ausbringen des Kompostes auf dem Gartenboden werden diesem Humus und Pflanzennährstoffe zugeführt und so der Naturkreislauf erhalten. Nistmöglichkeiten für Vögel und Insekten, Wasserstellen, Sandflächen und feuchte Lehmmulden, die bevorzugte Verwendung einheimischer Pflanzen, wo es möglich ist, gemischte freiwachsende Hecken und der Verzicht auf das „Großreinemachen“ im Herbst ermöglichen vielen Tierarten das (Über-) Leben im Garten. Sie revanchieren sich, in dem sie die Anzahl der nicht erwünschten Gartenmitbewohner auf erträglichem Niveau halten.

Gärten werden so zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Gefüges von Städten und Gemeinden und tragen mit ihrer Ausrichtung auf den Erhalt grüner Lebensräume zur nachhaltigen Orts- und Stadtentwicklung bei. Hierzu zählen insbesondere die klimatische Ausgleichsfunktion durch Bäume und Pflanzen, die Absorbierung von Schadstoffen, die positive Auswirkung auf den Wasserhaushalt, der Erhalt der Bodenressourcen und die Bereitstellung von gesunden Lebensräumen für Menschen, Tiere und Pflanzen.

Unter Beachtung des Natur- und Umweltschutzes im Hausgarten ist auch deren ökologische Bedeutung trotz des etwas erhöhten Landverbrauchs für diese Wohnform unbestritten.

Ein mehr ästhetischer und psychologischer Wert geht vom Blumenschmuck am Balkon, der Hausfront sowie dem Vor- und Ziergarten aus. Er bildet die Visitenkarte des Hauses und spiegelt in der Gestaltung und Pflanzenauswahl in gewisser Weise auch das Wesen des Besitzers wieder. Der Blumenschmuck am Haus und im Vor- und Ziergarten erfreut zunächst den Eigentümer selbst. Damit trägt er auch dazu bei, die Besucher und Passanten zum Betrachten des Hauses anzuregen und das Haus optisch aufzuwerten. Reichlicher Blumenschmuck an den Gebäuden einer Siedlung oder eines Wohngebietes wertet nicht nur das einzelne Haus auf, sondern erhöht auch den Wohnwert und verbessert das Wohnumfeld des gesamten Wohngebietes, ja sogar der gesamten Gemeinde. Blumenschmuckwettbewerbe, die von vielen Siedler- und Eigenheimervereinen durchgeführt werden, wollen das Engagement der Eigenheimer anerkennen, sie sind aber auch als Aufruf und Ansporn für weitere Aktivitäten auf diesem Gebiet zu verstehen.

Das eigene Haus mit Garten bietet ausreichenden und gesunden Lebensraum und erweitert den Wohnraum durch die „grüne Stube“ auf eigenem Grund und Boden. Gerade junge Familien mit kleinen Kindern brauchen bestimmte Freiheiten, um sich optimal entwickeln zu können. Ein Haus mit Garten ist hier das bessere Angebot als eine Wohnung auf der Etage mit regem Straßenverkehr im Umfeld. Der Blumenschmuck an den Häusern und in den Vorgärten, zusammen mit einer naturgemäßen und umweltbewussten Anlage und Bewirtschaftung der Gärten, trägt somit insgesamt zu einer wesentlichen Verbesserung des Wohnumfeldes und zu einer Erhöhung des Wohnwertes bei.

Friedrich Dietrich